Schweden – Zwei Wochen Freiheit?

Dreißig Tage gesetzlich erlaubtes Entkommen aus meinem Alltag pro Jahr. Die ersten zehn davon investierte ich im Juli für eine Reise nach Schweden. Es war ein Selbstversuch. Ich wollte testen, wie sich Freiheit anfühlt. Vollkommene Freiheit. Und zwar mit allem was dazugehört. Ich wollte auf niemanden Rücksicht nehmen. Ich wollte nur genau das tun, wonach MIR war. Ich wollte raus aus der Stadt und aus dem Land und mich an keine Termine halten. An keine Reservierungen oder Buchungen und das allerwichtigste von allem: an keinen Plan. Einfach drauflosfahren. Also fuhr ich los. Ich hatte alles dabei: meine eigene Unterkunft (in Form eines Zeltes), Essen, Gaskocher, alles, was man für die totale Unabhängigkeit braucht. Und ich war neugierig auf dieses Gefühl… darauf wie es ist… das Freisein. Wenn man anhalten kann oder weiterfahren… wenn es keine Rolle spielt. Wenn man niemandem Rechenschaft schuldig ist. Wenn die Welt dein Zuhause ist. Alles zu können, aber nichts zu müssen. Und alles, woran ich denken wollte, war es, das nächste gute Fotomotiv zu bekommen. Und… ach ja… zu entspannen.

 

Rahmenbedingungen und Kopfsache

Aber ist dieses angestrebte Gefühl in zwei Wochen überhaupt möglich? Es heißt, dass man mindestens drei Wochen Urlaub braucht, um richtig abschalten zu können. Von 100 auf 0, fast unmöglich. Und das habe ich auf dieser Reise gemerkt. Meine Gedanken kreisten darum, wie ich diesen Urlaub am besten ausnutzen kann. Keine Zeit vergeuden. Mein Kopf raste.

Ich lese oft Reiseblogs oder schaue mir Videos über Reisen, Outdoor-Erlebnisse und Abenteuer an. Überall bekomme ich die positiven Seiten der Freiheit präsentiert. Freiheit ist etwas Wunderschönes. Aber gibt es auch Dinge, die nicht erwähnt werden, die weggelassen oder rausgeschnitten werden? Ist es etwas so Erstrebenswertes, wie einem diese Videos suggerieren? Ist es etwas Schönes, keinen Plan zu haben? „Sich einfach treiben zu lassen“ ein Lebensmodell, was kaum einer umsetzen kann, aber das viel Sehnsucht weckt. Mir sind auf dieser Reise Zweifel gekommen, ob ich das Talent zum Mich-treiben-lassen überhaupt besitze. Für mich war es oft anstrengend und überfordernd, zumindest in dem kurzen Zeitraum. Ich fuhr los, ohne vorher abgeschaltet haben zu können. Ein fremdes Land bedeutete, dass ich nicht wusste, wo es schön ist, auch wenn ich vorher viel über das Land gelesen hatte. Dennoch musste ich alles suchen. Das ist zeitaufwändig und nach stundenlangen Autofahrten oft demotivierend. Es gibt diese schönen Orte, ich wusste nur nicht, wo. Und das vage Bild im Kopf ließ sich oft nicht mit der Realität abgleichen, bis ich schließlich die Lust verlor. Und mit fehlte die innere Ruhe dazu, langsam zu sein und alles entspannt zu entdecken.

2Dünen

Der Komfort der Routine

Es ist auch ein gutes Gefühl zu wissen, wo man die Nacht schläft. Kein Zelt auf- und abbauen zu müssen. Dinge, die an einem Ort sind, an die man sie immer wieder ablegen kann. Zu Hause zu sein und an einem Tag wirklich einmal Nichts machen zu können, auch das ist Freiheit. Unterwegs habe ich mir immer Gedanken gemacht, was ich an dem Tag machen will, wohin ich will, wonach mir ist. Und wenn mir nach Nichts tun war, kommt unterwegs der Gedanke, ob ich dann nicht einen meiner wenigen Tage dort verschwende. Was verpasse ich in der Zeit des Nichts-Tuns? Was sehe ich nicht? Wo komme ich nicht mehr hin? Alleine planlos reisen ist gleichzeitig auch ein ständiges Entscheidungen treffen. Freiheit ist es auch, diese Dinge nicht entscheiden zu müssen.

 

Und trotzdem…

… war es gelungenes Experiment. Heraus kam eine Reise, die ich nicht missen möchte. Ich habe die Schweden als ganz entspannte und nette Menschen kennengelernt und einen neuen Freund gefunden. Es war sehr angenehm, dort zu reisen. Ich habe ein kleines bisschen mehr über mich selbst gelernt. Ich habe viele Eindrücke mitnehmen können, ein paar Mückenstiche, ein paar blaue Flecken, die Skillz ein Wurfzelt wieder zusammenzupacken (auch wenn es bei mir ein chaotischer Klumpatsch geworden ist) und auch das Schätzenlernen von ein paar Dingen im Alltag, die man einfach nur so hingenommen hatte, ohne darüber nachzudenken. Und nicht zuletzt habe ich ein wunderschönes Land entdeckt und unglaublich schöne Fotomotive entdeckt.

16Steg

18Blumen

13Schaukel

21Lund

24Strandblumen

4Strand2

6Wald

 

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